Ein Fixstern weniger in der Wädenswiler Fasnachts-Galaxie

Quelle: Wädenswiler Anzeiger 10-2020, Text: Walter «Cheesy» Tessarolo (Entstehung) und Wadin Schränzer (Das Ende) Bilder: zvg / stb
Die Wadin Schränzer an ihrem letzten Wädenswiler Umzug im Jahr 2019 (2020 fand coronabedingt kein Umzug statt).

Die Entstehung der Wadin Schränzer
Nein, die Lawine, die lostreten würde, konnte ich wirklich nicht voraussehen! Nach mehr als zwanzig Jahren Mitgliedschaft bei der Mary Mäckers Gugge Band und deren Nachfolgerin Sakkophonie 1958, gelüstete es mich, meine Vision einer Guggenmusik mit Motto-Kostümen, Grind und einem eigenen Musikstil in die Tat umsetzen. Als Wädenswiler und Mitbegründer der Neuen Fasnachtsgesellschaft nfg war es mein Bestreben, dass der Name der neuen Guggenmusik in eben dieser Verbundenheit mit meiner Heimatstadt zum Ausdruck kommen sollte. Dafür musste der Alemanne Wadin herhalten und schränzen durfte die Musik ja dann doch auch ein wenig. Was lag also näher, als der Name Wadin Schränzer? Das Erkennungssujet, ein rudimentär gezeichneter Krieger mit Schild und Speer, zierte ein A3-Blatt. Jetzt waren Name und das Quasi-Abzeichen «meiner» Guggenmusik festgelegt, aber, und das war die grösste Herausforderung, die Musiker fehlten noch. Auf keinen Fall wollte ich bei den bereits bestehenden Wädenswiler Guggen Leute abwerben und so begab ich mich auf die Suche nach guggenmusikalisch nicht vorbelasteten Interessierten. Dank dem Boom, den die Fasnacht in Wädenswil ab 1972 erleben konnte, durfte ich am Montag, 27. April 1981, 21 Personen im Stübli des Restaurants Schmiedstube begrüssen und ihnen meine Vision vorstellen. Nach der Bemerkung, dass eine neue Guggenmusik in Wädenswil keinen leichten Stand haben werde, galt es zig Fragen zu beantworten. In absoluter Unkenntnis, was da auf sie zukommen würde, aber schon voller Tatendrang, konnten sich zwanzig der Anwesenden dazu entschliessen, auf das Wagnis «Wadin Schränzer» einzugehen.

Erste Proben und erster Auftritt
Als gestandenem Gugger war mir schon bewusst, dass neunzehn Pauken und ein Piccolo noch keine Guggenmusik abgeben würden und so gestaltete sich die Zuteilung der einzelnen Instrumente zu einem wahrlichen Chaos. So kamen die Gugger zu Trompete, Trommel und Posaune wie die Jungfrau zum Kind. Dass sich gerade das schmalste Persönchen für eine Pauke entschied, löste Bewunderung aus. Nach dem ersten gemeinsamen Debakel, andere nannten es Probe, kam mir der Gedanke, das Ganze als Schnapsidee abzubuchen und die Gruppe wieder aufzulösen. Das Glück wollte es, dass sich in unseren Reihen ein, schon etwas älterer, ehemaliger Militärtrompeter befand. Er führte uns behutsam und mit enormer Geduld in die Grundkenntnisse der Musik ein. Schon sehr bald ähnelten die Melodien den Originalen. Ich glaubte sogar, den «Treu Husar», «La Paloma» und «Alouette» erkennen zu können. Irgendwann im November 1981 folgte die Première der Wadin Schränzer. Im Hotel Alexander in Thalwil feierten zwei Wadins ihre Hochzeit und es war Ehrensache, dass wir sie mit einem Konzert überraschen wollten. Die Gäste waren der Ansicht, dass es «gar nöd èso schlächt tönt hegi». Dieses Lob spornte die Wadin Schränzer weiter an und man beschloss, vor allem Ohrwürmer aus der Schlager-Hitparade ins Repertoire aufzunehmen. Auch wenn sich im Verlauf der Jahre immer mehr fetzige Pop-Hits hören liessen, sind die Wadin Schränzer dem einstigen Credo bis zum Schluss treu geblieben. Am Empfang der «Haanèdropfer» aus Basel im Februar 2020, spielten die Wadin Schränzer zum tausendsten Mal den Schlager «Aber Dich gibt’s nur einmal für mich». Hätte ich den Auftrag erhalten, alle erlebten Highlights, Episoden und Erlebnisse meiner Wadin-Schränzer-Jahre zu erzählen, hätte ich die Segel streichen müssen. Dies aus dem einfachen Grund, weil die schiere Anzahl aller Ereignisse eigentlich nur in einem dicken Wälzer Platz gefunden hätten. Gleichwohl sollen an dieser Stelle vier Ereignisse Erwähnung finden, die für mich in ewiger Erinnerung bleiben werden. Nur diejenigen, die dabei waren, vermögen emotional nachzufühlen, was sie für mich und die Wadin Schränzer bedeuteten und immer noch bedeuten.

Der erste Umzug als Guggenmusik
Am bekannten Guggenmusiktreffen in Uznach erlebten die Wadin Schränzer ihre Feuertaufe. Die Kardinalsfrage aber war, in welcher Kostümierung sie dort auftreten sollten. In meiner Funktion als Schiffsdisponent hatte ich täglich mehrfachen Kontakt mit meinen Geschäftspartnern in Basel, und einer davon war ein aktiver Fasnächtler. Er installierte für mich einen Maskenkurs, den er mir jeden Morgen am Telefon vermittelte. So entstanden nach und nach unser erstes Sujet, die «Pink Panther»-Grinden, und die Wadin-Frauen nähten die Kostüme. Alles lag im Keller eines Wadin Schränzer bereit, aber – und das war uns wichtig – sie sollten erst an der Première des Schnitzelbankfests der Wädenswiler Bevölkerung zum ersten Mal gezeigt werden. Also wählten wir für den Umzug in Uznach das Motto «Charivari» und mussten zum Teil auf ausgediente Sakkophonie-Kostüme zurückgreifen. Wir mussten uns dafür einige saftige Sprüche der ebenfalls anwesenden Sakkophoniker anhören. Der Erfolg mit den Pink Panthern an der Wädenswiler Fasnacht entschädigte dafür umso mehr.
Die Wadin Schränzer an ihrem ersten Umzug.


Carnaval des Bolzes in Freiburg
Der genannte Basler Fasnächtler empfahl mir 1983, dass sich die Wadin Schränzer doch einmal beim Komitee in Freiburg melden sollten. Der Carnaval des Bolzes friste ein eher klägliches Dasein und er könne sich vorstellen, dass eine Guggenmusik sehr gut in den Cortège passen würde. Gesagt, getan, und daraus entwickelte sich in der Folge eine nie mehr erlebte Freundschaft und Gastfreundschaft mit unglaublichen Erlebnissen und Episoden, die über 20 Jahre andauerte. Der definitiv finale Ritterschlag folgte dann, als uns der Maire de Fribourg 1985 zur «Musique officielle du Carnaval des Bolzes» ernannte. In den Folgejahren war es egal, welche Guggen auch noch in Freiburg aufspielten, die Wadin Schränzer hatten immer ein Heimspiel. Es waren unvergessliche Momente, die sich jeweils bei den Aprés-Cortège-Partys in der altehrwürdigen Vannerie abspielten, und manchmal glaubte man sich wirklich «bim hölzigè Himmel vorussè». Bezeichnend zu erwähnen sei auch noch, dass sich nach einigen Jahren eine Formation mit dem Namen «Les 3 Canards» bildete, die eins zu eins das Repertoire der 1. Wadin-Schränzer-Kassette kopierte. Diese begeisternde Guggenmusik durften die Wädenswiler Fasnächtler am Umzug 2019 erleben. Die Wadin Schränzer konnten sich mit Fug und Recht als eigentliche Geburtshelfer der «Les 3 Canards» fühlen.

In Schwäbisch Gmünd
Im Februar 2000 bot sich den Wadin Schränzern die grosse Gelegenheit, am internationalen Guggenmusiktreffen in Schwäbisch Gmünd teilzunehmen. Zur Teilnahme waren 20 Guggenmusiken aus Deutschland, dem Fürstentum Liechtenstein und der Schweiz eingeladen. Allein schon am Treffen dabei sein zu können, durfte als Auszeichnung betrachtet werden. Am Nachmittag stand das Konzert vor dem Oberbürgermeister und der Gmünder Narrengesellschaft im Bürgermeisteramt auf dem Programm. Auch aufgrund des frenetischen Applauses meinte der Spielleiter Pitsch lakonisch: «Gut gelungen». Das Monsterkonzert auf dem Hauptplatz am Abend übertraf dann aber alles bisher erlebte. Gegen 15 000 Guggenmusik-Liebhaber drängten sich Kopf an Kopf vor der dreistufigen Tribüne an der Stirnseite des Platzes. Vor den Wadin Schränzern spielte eine Guggenmusik aus Basel mit etwa 50 Mann. Man bemerkte, wie bei einigen Wadins das Herz in die Hosen fiel. Wie sollten wir mit unserer eher kleinen Formation hier bestehen können? Kurz darauf ertönte der Pfiff des Spielleiters, aber wie sollten wir durch die Menschenmauer zur Bühne gelangen? Vorneweg schritt unser imposante Spielleiter mit hocherhobenem Tambourmajorstock, und wie weiland Moses teilte er die Menschenmassen. Nachdem der unverkennbare Wadin-Schränzer-Rhythmus verklungen war, stellte sich die Frage, mit welchem Stück die erwartungsvollen Zuhörer begeistert werden sollen. Einer Eingebung folgend, befahl der Spielleiter den Schlager «Aber Dich …». Dann geschah etwas, was sich in diesem Ausmass vor- und nachher nie mehr wiederholte. Beim gesungenen Refrain gab es kaum einen der Zuschauer, der nicht aus voller Brust mitgesungen hatte, und es war tatsächlich so, dass wir unsere eigenen Stimmen auf der Bühne nicht mehr hörten. Nach dem Schlussakkord brandete tosender Applaus und Zugabe-Rufe auf. Wir waren hin und weg! Die Nachhaltigkeit unseres Auftritts zeigte sich dann am Sonntag in der grossen Sporthalle in doppelter Ausführung. Beim Einmarsch in die Halle sangen rund 3000 begeisterte Fans den Refrain von «Aber Dich». Natürlich packte der Spielleiter die Chance, um noch einmal aus dem Vollen zu schöpfen. Das Beste kam aber ganz zum Schluss, als wir, unter dem tosenden Applaus der Zuschauer, den 1. Preis für die beste musikalische Leistung entgegennehmen konnten. Ich kann mich noch heute an der Erinnerung berauschen!

Die Guggenmusik mit zwei Schnitzelbankgruppen
Als Schnitzelbänkler der ersten Stunde wollte ich auch als Wadin Schränzer auf keinen Fall darauf verzichten, der Obrigkeit wenigstens einmal im Jahr den Spiegel vorzuhalten und auf der Engelbühne «èchli è frächi Schnurrè ha». Da mein ehemaliger Partner die Fasnacht in einer anderen Guggenmusik feierte, suchte ich mir eine neue Partnerin in meiner Gugge. Als «Ursi und dè Chäs» gelang uns, auch dank der schönen Helgen, auf Anhieb ein nicht unbedingt zu erwartender, Erfolg. Während einigen Jahren als Einzel-Bänkler mit den Figuren «dè Chäs» und «s Trudi» konnten weitere träfe Auftritte verbucht werden. Später, und mit neuem Partner, folgten dann die legendären Nummern als «d’Stöörwöscher», «Dè Tèll und dè Stapi » und als «Richter und Scharfrichter». Ab 1986 kamen dann die Jahre der Frauen. Drei Wadin Schränzerinnen fühlten sich bereit, als «Landhüener» auf die Bühne zu treten. Mit ihrer gesungenen Schnitzelbank, mit Gitarrenbegleitung und dem Refrain «z Wädischwil git’s Gott sei Dank, è Hüenerschnitzelbank» ernteten sie wahre Beifallsstürme. Damit stellten die Wadin Schränzer nicht nur die erste reine Frauen-Schnitzelbankgruppe, sondern bestritten mit der Guggenmusik und der zweiten Schnitzelbankgruppe beinahe einen Drittel des Schniba-Programms. Das gab es vorher noch nie und nachher nie mehr!
 
Die Spielleiter
Der Bericht über die Wadin Schränzer wäre in hohem Masse unvollständig, wenn die Spielleiter keine Erwähnung finden würden. Jeder Spielleiter, wovon auch zwei Frauen erwähnt werden können, prägte auf seine eigene Art die Wadin Schränzer und hinterliess seinen Fussabdruck. Ohne werten zu wollen, sollen zwei «Tambis» spezielle Erwähnung finden. Als «Cheesy» Tessarolo im Jahre 1983 die musikalische Leitung der Wadin Schränzer übernahm, legte er sein Hauptaugenmerk auf die Einhaltung des Credos, vor allem gängige Hits und Oldies aus der Schlagerwelt zu spielen. Er war es auch, der den Langzeit-Erfolgsschlager «Aber Dich» in das Repertoire aufnahm. Nebst vielen anderen Ohrwürmern war es aber vor allem das Stück «Nabucco», mit dem die Wadin Schränzer immer wieder glänzen konnten. Am Carnaval des Bolzes in Freiburg avancierte diese Melodie sogar zur eigentlichen Fasnachts-Hymne. Mit Pitsch Wissmann als Spielleiter hielt die Neuzeit Einzug bei den Wadin Schränzern. Allein schon durch seine imposante Erscheinung war er geradezu für das wichtigste Amt in einer Guggenmusik prädestiniert. Zur Hauptsache war es aber seiner Musikalität und seinem Rhythmusgefühl zu verdanken, dass, und um nur zwei von einer Vielzahl zu nennenden, Melodien wie «Go West» oder «Love is in the Air» zu wahren Erfolgsnummern der Wadin Schränzern wurden. Diese beiden, aber auch allen anderen Spielleiter der Wadin Schränzer, haben es verdient, dass wir ihnen unseren Respekt zollen und uns für ihre hervorragende Arbeit als Frontmänner und -frauen bedanken. Sie hatten massgeblichen Anteil am Erfolg der Wadin Schränzer. Im Jahre 2004 kam ich zum Entschluss, dass die Zeit für einen Abschluss als Guggenmusiker gekommen war. Ich legte die Posaune beiseite und habe sie nie mehr in die Hand genommen. Fortan konnte ich mich am Anblick und am Spiel «meiner» Wadin Schränzer erfreuen. Was mich jedes Jahr aufs Neue begeisterte, war die Tatsache, dass ich zwar immer weniger der neuen und jungen Wadin Schränzer kannte, aber das alte Credo der Motto-Kostüme und der gespielten Hits immer noch präsent war. Kostüme wie «Thor», «St. Andrews» «Highlander» oder «Indianer» gehörten zu den Augenweiden an den Umzügen. Die Wadin Schränzer überzeugten immer mit ihrem eigenen Stil in Sachen Musik und Kostümen und sie hielten nie etwas vom Kopieren und waren immer sie selbst. Obwohl ich die vielfachen Gründe für das Ende der Wadin Schränzer kenne und auch sehr gut nachvollziehen kann, hätte ich mir einen anderen Abgang vorstellen können. Wie die berühmte Guggenmusik Laslafaria aus Baar, die am Gründungstag im Jahre 1963 beschlossen hatte, die Guggenmusik nach genau 30 Jahren an eben diesem Datum wieder aufzulösen, und was auch geschah, hätten die Wadin Schränzer nach 40 Jahren auch am 27. April 2021 «nachahmen » können. Es freut mich aber ausserordentlich, dass sie auch hierbei ihrem Credo, «Nichts und niemanden zu kopieren», bis zum Schluss treu geblieben sind.

ès Bonmot gib ich eui na uf dè Wäg / dänked immer dra wär sini eigni G’schicht vergisst / dä wird kei Zuèkunft ha bliibèd wiitèr d’Wadin Schränzer / mit däm b’sundèrè Esprit dass ich wiitèrhin voll Stolz chan sägè: ich bin dè Gründèr vo dänè gsi

Walter «Cheesy» Tessarolo

Das Ende

Die Suche nach Neumitgliedern gestaltete sich seit vielen Jahren, wie bei vielen anderen Vereinen, sehr harzig. Viele Fans finden Fasnacht toll und geniessen die Musik, aber die Verpflichtung, in einen Verein einzutreten, wollen oder können viele nicht eingehen. Aufgrund zahlreicher Austritte über die letzten Jahre schrumpften die Wadin Schränzer kontinuierlich. Ende Fasnacht 2019 war die Gugge mitgliedermässig so klein, dass sie mit den Aktivmitgliedern alleine nicht mehr mit der angestrebten Qualität an der Fasnacht teilnehmen konnte. Aus diesem Grund wurden ehemalige Mitglieder angeschrieben, welche als Mitglieder des sogenannten «Stöckli» zur Unterstützung bereit waren. Dank noch intensiverer Probenarbeit und nicht zuletzt dank der Unterstützung der «Stöcklianer», konnten die Wadin Schränzer eine in allen Belangen grandiose und erfolgreiche Fasnacht 2020 geniessen. Mit viel Werbung (der genialen Kafi-Bar an der Chilbi, mit Flyern, mit Zeitungsartikeln etc.) haben die Gugger auch ausserhalb der Fasnachtszeit auf sich aufmerksam gemacht. Einige Interessierte meldeten sich auch in diesem Jahr für den Infoabend an. Doch dann kam Corona. Wie alle wurden auch die Wadin Schränzer mit einer neuen und ungewissen Situation konfrontiert. Sämtliche vereinsinternen Veranstaltungen wie GV, Proben, Informationsabend für die neuen Mitglieder etc., durften nicht durchgeführt werden. Vieles blieb auf der Strecke. Und als wäre das nicht genug, wurde der Verein kurz vor der GV nochmals mit unerwarteten Austritten, Abwesenheiten durch Schwangerschaft, Rücktritten aus Vorstandsämtern etc. vor erneut sehr schwierige Tatsachen gestellt. Über diese neue Situation musste ausgiebig gesprochen und nachgedacht werde. Alle Aktivmitglieder wurden dazu angehalten, sich zu überlegen, wie mit diesen neuen Tatsachen umzugehen wäre und was die Situation für die Zukunft der Guggenmusik Wadin Schränzer Wädischwyl bedeutet. (Köpfe rauchten, Emotionen kochten hoch, Ideen wurden gefunden und verworfen, Diskussionen wurden geführt, eine Entscheidung wurde gefällt.) Am Donnerstag, 17. September 2020, mussten die verbleibenden Mitglieder der Wadin Schränzer an einer hoch emotionalen Generalversammlung schweren Herzens entscheiden, dass die Geschichte der Guggenmusik Wadin Schränzer hier endet. Die Guggenmusik Wadin Schränzer Wädischwyl kann auf 40 Jahre, gefüllt mit vielen aussergewöhnlichen Erinnerungen, fantastischen Erlebnissen und tollen Freundschaften zurückblicken. Unzählige Auftritte vor begeistertem Publikum, Auszeichnungen für spezielle und wunderschöne Gwändli und Grinden, musikalische Erfolge, tolle Reisen und immer wieder herzerwärmendes Feedback und Applaus des Publikums werden für immer in den Köpfen aller zuletzt aktiven und ehemaligen Musikerinnen und Musikern der Wadin Schränzer bleiben. Und genau so möchten die Wadin Schränzer allen ihren Fans, Gönnern, Sponsoren, Freunden und Zuhörern in Erinnerung bleiben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön euch Allen für die langjährige Treue! Eine Ära geht zu Ende. Lang lebe die Erinnerung!
Ein letztes Gruppenbild: Die Wadin Schränzer beenden 2020 ihre Geschichte.

Doch noch nicht alles zu Ende?
Ganz im Stil der Wadin Schränzer ist es trotzdem noch nicht ganz Zeit für’s «Time to say good bye», denn «Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei» und «Es gibt kein Bier auf Hawaii» ... lasst Euch ein letztes Mal überraschen!



Wadin Schränzer: Neue Mitglieder gesucht!

Quelle: Wädenswiler Anzeiger 02-2020, Text + Bild Stefan Baumgartner

Die Wadin Schränzer gehören – zusammen mit Tambouren und Trubadix – zu den «Big Three» der Wädenswiler Fasnachtsmusiken. Doch aktuell suchen sie dringend Mitglieder. Die aktuelle Fasnachtssaison konnte nur dank reaktivierten Ehemaligen in Angriff genommen werden. Wie konnte das passieren? Die Präsidentin, der Spielleiter und der Tourmanager erklären und machen Werbung in eigener Sache.

Als die Wadin Schränzer 1982 das erste Mal als «Pink Panther» am Wädenswiler Umzug mitliefen, stellten sie das bis anhin eher gemächliche Musikantendasein an der Wädenswiler Fasnacht gehörig auf den Kopf: Teilnahmen an Umzügen in ganz Europa, Konzerte in den USA – und jedes Jahr ein neues, buntes Kostüm und immer mit «Grind», also einer möglichst imposanten Kopfbedeckung. Diesem Gedanken blieb die Guggenmusig bis heute treu, und auch alle anderen Guggenmusigen zogen nach – oder verschwanden von der Bildfläche, wie etwa die Sakkophonie 1958 oder die Stadtgrübler.
Nie hätte man gedacht, dass sich die Wadin Schränzer Gedanken zu einem möglichen Verschwinden von der Bildfläche machen müssen. Doch aktuell zählt die Musik nur noch 21 Mitglieder an den Instrumenten, davon sind einige reaktivierte Alt-Mitglieder und jemand im Pausenjahr. Die Wadin Schränzer setzen alles daran, um dieses Verschwinden zu verhindern. Was war passiert? Philipp Bossert, aktuell Tourmanager bei den Wadin Schränzer, erinnert sich: «Als ich vor 11 Jahren in die Gugge eintrat, fand damals schon ein Generationenwechsel statt. Viele langjährige Spieler hörten auf, es kamen jedoch genügend neue Musikanten nach. Nun findet ein neuerlicher Generationenwechsel statt, doch es kommen nicht mehr so viele Neue nach.»
Sechs, sieben Mitglieder seien auf diese Spielzeit, wie auch bereits vor zwei Jahren, ausgestiegen, berichtet Präsidentin Ladina Lussi. Zum einen wollten einige einfach mal etwas anderes als Guggenmusig machen und schlossen sich zu einer Wagengruppe zusammen, andere wiederum wandten sich anderen Fasnachtsvereinen zu. «Wie in vielen Vereinen, gab es leider auch bei uns zwischenmenschliche Unstimmigkeiten. Aber diese werden angesprochen und ausdiskutiert, damit wir ein friedliches und fröhliches Zusammensein geniessen können», gibt Philipp Bossert zu.
Mirco Rhiner, der Spielleiter, gibt auch zu bedenken, dass die Guggenmusig einen hohen Zeitaufwand betreibt: «Wir proben zwischen Ende September bis jeweils Ende Jahr zweimal pro Woche. Wir haben musikalisch ein hohes Niveau und wollen dieses auch halten.» Das schrecke vielleicht auch einige potenzielle Neumitglieder ab, wirft Präsidentin Ladina Lussi ein. «Würden wir das aber ändern, geht es auf Kosten der Qualität», sagt sie bestimmt. Die Guggenmusig stellt ihre Stücke selbst zusammen und arrangiert sie – das machen nicht alle Fasnachtsmusiken so.
Was müsste denn ein neues Mitglied mitbringen? Ladina Lussi betont, dass auch Leute willkommen sind, die noch kein Instrument beherrschen. «Über 18 Jahre alt sollten sie sein – und etwas Taktgefühl wäre nicht schlecht», meint sie schmunzelnd. Das Musikalische wird den Neumitgliedern dann in den Proben beigebracht. Aber ist man als Guggenmusiker in der närrischen Zeit nicht jedes Wochenende unterwegs? Tourmanager Bossert sagt, dass es durchaus auch Wochenende gäbe, die spielfrei seien. Doch manchmal wage man sich auch an grosse Sachen heran, wie etwa die Teilnahme am Eurocarnevale 2016 in Verona, wo man die Auszeichnung als beste und schönste Guggenmusig bekam. «Für solche Anlässe braucht es vielleicht noch einen Extra-Freitag, doch wir stimmen über solche Ausflüge immer ab», betont Bossert.
Dieses Jahr spielen die Wadin Schränzer das erste Mal an der Beizenfasnacht (22. Februar) mit. «Es ist wichtig für uns, dass wir uns hier unserem Publikum präsentieren können!» Unterwegs sind sie dieses Jahr als rattenfangende Katzen, natürlich auch zu bestaunen an den verschiedenen anderen Anlässen der Wädenswiler Fasnacht. Wer spontan Lust bekommen hat, bei den Wadin Schränzer mitzuspielen, findet auf der Homepage weitere Informationen.
Ladina Lussi, Mirco Rhiner und Philipp Bossert suchen neue Mitglieder für die Wadin Schränzer.
Ein Infoabend für interessierte Neumitglieder findet am Donnerstag, 2. April, um 19.30 Uhr im Schulhaus Glärnisch statt.

Die kleine Wadin Schränzer-Story

Quelle: http://www.wadinschraenzer.ch/history/geschichte.html

Als sich der Gründervater Walti Tessarolo an der Fasnacht 1981, nach fast zwanzigjähriger Zugehörigkeit zu einer der ältesten Guggemusig, entschloss,die Wadin Schränzer zu gründen, konnte er kaum ahnen, welche Dimensionen sich in der Folge eröffnen würden. Im vollen Bewusstsein, als jüngste Guggemusig von Wädenswil einen schweren Stand zu haben,scharte er eine Gruppe fasnächtlich nicht vorbelasteter Interessenten um sich, und am 27. April 1981 schlug im Restaurant Schmiedstube die Geburtsstunde der "Wadin Schränzer Wädischwyl".
Schon die Instrumentierung der neuen Guggemusig gestaltete sich zu einem chaotischen Want you? und Why not?. Nicht wenige der neuen Wadins kamen zu Posaune und Trompete wie die Jungfrau zum Kind. Dass sich gerade das schmalste Persönchen für eine Pauke entschied, löste Bewunderung aus. Nicht minder debakulös gestalteten sich die ersten Proben, wo man sich nebst "Adelheid" und "TreuHusar" auch noch an so schwierige Stücke wie "La Paloma" und "Alouette" wagte. Dank dem ungebrochenen Enthusiasmus der Wadins und dem guten Zureden eines ehemaligen und schon in die Jahre gekommenen Militärtrompeters wurden aber auch diese musikalischen Klippen umschifft. Den Grundstein ihres Erfolges legten die Wadin Schränzer an eben diesen Proben, wo man sich entschloss, in Zukunft nur Ohrwürmer und Nostalgiehits in das Repertoire aufzunehmen.
Diesem Grundsatz sind sie bis heute treu geblieben.Eine weitere, nicht minder wichtige Wadin Schränzer-These heisst: keine Fasnacht ohne Sujet, keineFasnacht ohne "Grind". Stolz sind die Wadins darauf, dass sie bis heute dieser viel Aufwand und Geld kostenden These nachgelebt haben. Schon mit dem ersten Kostüm, dem Pink Panther, verblüffte man die Umzugsjury und die Fans in nah und fern. Weitere glanzvoll entworfene und in Eigenregie hergestellte Sujets wie Tut-Ench-Amun,Poseidon, Phantom, Drachen, Beatles, Thor, Teufel oder Highlander folgten und brachten den Wadin Schränzern nebst viel Applaus auch einige Auszeichnungen an Umzügen und Guggentreffen.Ganz besonders freut es die Gugger, dass dieser Erfolg besonders dem hohen fachlichen Können einiger Mitglieder und der unermüdlichen Tatkraft der ganzen Gruppe zu verdanken ist.
Erwähnenswert sind auch die aus den WadinSchränzern hervorgegangenen Wädenswiler Schnitzelbankgruppen. "Dä Chäs", "d'Schtöörwöscher" und die erste reine Frauengruppe "d'Landhüener" bildeten während Jahren einen wesentlichen Bestandteilan den beliebten Schnitzelbankfesten und trugen massgebend zu deren Erfolg bei.
Den wohl steilsten Aufstieg haben die Wadin Schränzer aber im musikalischen Bereich erfahren. Schon früh wurden sie, dank ihrem eigenen und speziellem Stil, an diverse Treffen in eigentliche Fasnachtshochburgen eingeladen,wo sie dann mit dem "Caprifischer", "Amor", "Aber Dich" und weiteren beliebten Melodien glänzten.Dieser Aufstieg ist vor allem den beiden langjährig aktiven, die Wadin Schränzer prägenden, Spielleitern zu verdanken.  Die Melodien "Love is in the Air", "ABBA" aber auch "Monday Morning" oder "Highland Cathedral" beweisen den musikalischen Aufstieg auf eindrückliche Weise. An vielen Auftritten in der ganzen Welt, z.B. in Tampa, Florida, Fribourg, Ponte Tresa, Meggen und Rhäzüns, Viareggio, Nizza, Schwäbisch Gmünd und Mainz und natürlich auch in der "Grossregion Wädenswil" haben die Wadin Schränzer stets nur fröhliche, lachende, tanzende, singende, polonaisende auf auf Bänken und Tischen stehende Menschen zurückgelassen,die sich alle auf ein Wiedersehen freuten.