Wadin Schränzer: Neue Mitglieder gesucht!

Quelle: Wädenswiler Anzeiger 02-2020, Text + Bild Stefan Baumgartner

Die Wadin Schränzer gehören – zusammen mit Tambouren und Trubadix – zu den «Big Three» der Wädenswiler Fasnachtsmusiken. Doch aktuell suchen sie dringend Mitglieder. Die aktuelle Fasnachtssaison konnte nur dank reaktivierten Ehemaligen in Angriff genommen werden. Wie konnte das passieren? Die Präsidentin, der Spielleiter und der Tourmanager erklären und machen Werbung in eigener Sache.

Als die Wadin Schränzer 1982 das erste Mal als «Pink Panther» am Wädenswiler Umzug mitliefen, stellten sie das bis anhin eher gemächliche Musikantendasein an der Wädenswiler Fasnacht gehörig auf den Kopf: Teilnahmen an Umzügen in ganz Europa, Konzerte in den USA – und jedes Jahr ein neues, buntes Kostüm und immer mit «Grind», also einer möglichst imposanten Kopfbedeckung. Diesem Gedanken blieb die Guggenmusig bis heute treu, und auch alle anderen Guggenmusigen zogen nach – oder verschwanden von der Bildfläche, wie etwa die Sakkophonie 1958 oder die Stadtgrübler.
Nie hätte man gedacht, dass sich die Wadin Schränzer Gedanken zu einem möglichen Verschwinden von der Bildfläche machen müssen. Doch aktuell zählt die Musik nur noch 21 Mitglieder an den Instrumenten, davon sind einige reaktivierte Alt-Mitglieder und jemand im Pausenjahr. Die Wadin Schränzer setzen alles daran, um dieses Verschwinden zu verhindern. Was war passiert? Philipp Bossert, aktuell Tourmanager bei den Wadin Schränzer, erinnert sich: «Als ich vor 11 Jahren in die Gugge eintrat, fand damals schon ein Generationenwechsel statt. Viele langjährige Spieler hörten auf, es kamen jedoch genügend neue Musikanten nach. Nun findet ein neuerlicher Generationenwechsel statt, doch es kommen nicht mehr so viele Neue nach.»
Sechs, sieben Mitglieder seien auf diese Spielzeit, wie auch bereits vor zwei Jahren, ausgestiegen, berichtet Präsidentin Ladina Lussi. Zum einen wollten einige einfach mal etwas anderes als Guggenmusig machen und schlossen sich zu einer Wagengruppe zusammen, andere wiederum wandten sich anderen Fasnachtsvereinen zu. «Wie in vielen Vereinen, gab es leider auch bei uns zwischenmenschliche Unstimmigkeiten. Aber diese werden angesprochen und ausdiskutiert, damit wir ein friedliches und fröhliches Zusammensein geniessen können», gibt Philipp Bossert zu.
Mirco Rhiner, der Spielleiter, gibt auch zu bedenken, dass die Guggenmusig einen hohen Zeitaufwand betreibt: «Wir proben zwischen Ende September bis jeweils Ende Jahr zweimal pro Woche. Wir haben musikalisch ein hohes Niveau und wollen dieses auch halten.» Das schrecke vielleicht auch einige potenzielle Neumitglieder ab, wirft Präsidentin Ladina Lussi ein. «Würden wir das aber ändern, geht es auf Kosten der Qualität», sagt sie bestimmt. Die Guggenmusig stellt ihre Stücke selbst zusammen und arrangiert sie – das machen nicht alle Fasnachtsmusiken so.
Was müsste denn ein neues Mitglied mitbringen? Ladina Lussi betont, dass auch Leute willkommen sind, die noch kein Instrument beherrschen. «Über 18 Jahre alt sollten sie sein – und etwas Taktgefühl wäre nicht schlecht», meint sie schmunzelnd. Das Musikalische wird den Neumitgliedern dann in den Proben beigebracht. Aber ist man als Guggenmusiker in der närrischen Zeit nicht jedes Wochenende unterwegs? Tourmanager Bossert sagt, dass es durchaus auch Wochenende gäbe, die spielfrei seien. Doch manchmal wage man sich auch an grosse Sachen heran, wie etwa die Teilnahme am Eurocarnevale 2016 in Verona, wo man die Auszeichnung als beste und schönste Guggenmusig bekam. «Für solche Anlässe braucht es vielleicht noch einen Extra-Freitag, doch wir stimmen über solche Ausflüge immer ab», betont Bossert.
Dieses Jahr spielen die Wadin Schränzer das erste Mal an der Beizenfasnacht (22. Februar) mit. «Es ist wichtig für uns, dass wir uns hier unserem Publikum präsentieren können!» Unterwegs sind sie dieses Jahr als rattenfangende Katzen, natürlich auch zu bestaunen an den verschiedenen anderen Anlässen der Wädenswiler Fasnacht. Wer spontan Lust bekommen hat, bei den Wadin Schränzer mitzuspielen, findet auf der Homepage weitere Informationen.
Ladina Lussi, Mirco Rhiner und Philipp Bossert suchen neue Mitglieder für die Wadin Schränzer.
Ein Infoabend für interessierte Neumitglieder findet am Donnerstag, 2. April, um 19.30 Uhr im Schulhaus Glärnisch statt.

Die kleine Wadin Schränzer-Story

Quelle: http://www.wadinschraenzer.ch/history/geschichte.html

Als sich der Gründervater Walti Tessarolo an der Fasnacht 1981, nach fast zwanzigjähriger Zugehörigkeit zu einer der ältesten Guggemusig, entschloss,die Wadin Schränzer zu gründen, konnte er kaum ahnen, welche Dimensionen sich in der Folge eröffnen würden. Im vollen Bewusstsein, als jüngste Guggemusig von Wädenswil einen schweren Stand zu haben,scharte er eine Gruppe fasnächtlich nicht vorbelasteter Interessenten um sich, und am 27. April 1981 schlug im Restaurant Schmiedstube die Geburtsstunde der "Wadin Schränzer Wädischwyl".
Schon die Instrumentierung der neuen Guggemusig gestaltete sich zu einem chaotischen Want you? und Why not?. Nicht wenige der neuen Wadins kamen zu Posaune und Trompete wie die Jungfrau zum Kind. Dass sich gerade das schmalste Persönchen für eine Pauke entschied, löste Bewunderung aus. Nicht minder debakulös gestalteten sich die ersten Proben, wo man sich nebst "Adelheid" und "TreuHusar" auch noch an so schwierige Stücke wie "La Paloma" und "Alouette" wagte. Dank dem ungebrochenen Enthusiasmus der Wadins und dem guten Zureden eines ehemaligen und schon in die Jahre gekommenen Militärtrompeters wurden aber auch diese musikalischen Klippen umschifft. Den Grundstein ihres Erfolges legten die Wadin Schränzer an eben diesen Proben, wo man sich entschloss, in Zukunft nur Ohrwürmer und Nostalgiehits in das Repertoire aufzunehmen.
Diesem Grundsatz sind sie bis heute treu geblieben.Eine weitere, nicht minder wichtige Wadin Schränzer-These heisst: keine Fasnacht ohne Sujet, keineFasnacht ohne "Grind". Stolz sind die Wadins darauf, dass sie bis heute dieser viel Aufwand und Geld kostenden These nachgelebt haben. Schon mit dem ersten Kostüm, dem Pink Panther, verblüffte man die Umzugsjury und die Fans in nah und fern. Weitere glanzvoll entworfene und in Eigenregie hergestellte Sujets wie Tut-Ench-Amun,Poseidon, Phantom, Drachen, Beatles, Thor, Teufel oder Highlander folgten und brachten den Wadin Schränzern nebst viel Applaus auch einige Auszeichnungen an Umzügen und Guggentreffen.Ganz besonders freut es die Gugger, dass dieser Erfolg besonders dem hohen fachlichen Können einiger Mitglieder und der unermüdlichen Tatkraft der ganzen Gruppe zu verdanken ist.
Erwähnenswert sind auch die aus den WadinSchränzern hervorgegangenen Wädenswiler Schnitzelbankgruppen. "Dä Chäs", "d'Schtöörwöscher" und die erste reine Frauengruppe "d'Landhüener" bildeten während Jahren einen wesentlichen Bestandteilan den beliebten Schnitzelbankfesten und trugen massgebend zu deren Erfolg bei.
Den wohl steilsten Aufstieg haben die Wadin Schränzer aber im musikalischen Bereich erfahren. Schon früh wurden sie, dank ihrem eigenen und speziellem Stil, an diverse Treffen in eigentliche Fasnachtshochburgen eingeladen,wo sie dann mit dem "Caprifischer", "Amor", "Aber Dich" und weiteren beliebten Melodien glänzten.Dieser Aufstieg ist vor allem den beiden langjährig aktiven, die Wadin Schränzer prägenden, Spielleitern zu verdanken.  Die Melodien "Love is in the Air", "ABBA" aber auch "Monday Morning" oder "Highland Cathedral" beweisen den musikalischen Aufstieg auf eindrückliche Weise. An vielen Auftritten in der ganzen Welt, z.B. in Tampa, Florida, Fribourg, Ponte Tresa, Meggen und Rhäzüns, Viareggio, Nizza, Schwäbisch Gmünd und Mainz und natürlich auch in der "Grossregion Wädenswil" haben die Wadin Schränzer stets nur fröhliche, lachende, tanzende, singende, polonaisende auf auf Bänken und Tischen stehende Menschen zurückgelassen,die sich alle auf ein Wiedersehen freuten.