2020; Luzerner Organist zieht an der Wädenswiler Fasnacht alle Register

Quelle: Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen, Freitag, 28. Februar 2020 Text Ueli Zoss, Foto André Springer

Für die Probe zog Organist Wolfgang Sieber in der Wädenswiler Kirche seine Schuhe aus.

Ein aussergewöhnliches Konzert bereichert die närrische Zeit in Wädenswil. Der Organist Wolfgang Sieber zeigt am Samstag in der reformierten Kirche sein Können, begleitet von Guggenmusik.
Am frühen Mittwochabend steigt Wolfgang Sieber, Kunst- und Kulturpreisträger der Stadt Luzern, die Treppe auf die Südwestempore der reformierten Kirche Wädenswil hoch. Ihn zieht es zur Orgel mit den drei Tastaturen, Pedalen und 41 Registern. Der mächtige Klangkörper ist mit Schnitzereien im Stil der Rokoko-Stuckaturen verziert. Der Organist macht es sich gemütlich. Er entledigt sich seiner Schuhe und nimmt in Socken auf der Orgelbank Platz. «Um die Pedale zu bedienen, braucht es spezielle Lederschuhe, mit denen man über die Pedaltasten gleitet.» Dieses Schuhwerk nehme er dann am Samstag für das Konzert mit. Um 19 Uhr beginnt der Ohrenschmaus mit dem Organisten der Hofkirche Luzern, begleitet vom Guggensound der Wäsmali-Chatze Lozärn, die mit über 50 Schränzern einmarschieren werden. Wenige Tage vor dem Auftritt gilt es für Sieber nun, die Klangfarben für das Zusammenspiel mit der Gugge zusammenzustellen. Er zieht buchstäblich alle Register, angeschrieben mit Waldflöte, Vox humana, Oktavbass, allen möglichen Blasinstrumenten oder Mixtur. «Ich bin von lauter Pfeifen umgeben», sagt er mit trockenem Humor, als die klangerzeugenden Teile der Orgel ertönen. «Ich arbeite seit 50 Jahren für die Kirche», fügt der weissbärtige Künstler an. Man komme in all dieser Zeit zur Erkenntnis, dass das Leben nicht immer ein Schleck sei. «Humor kommt einem dabei zugute.»

Loblied auf Guggen

Sieber ist mit der Registerprobe zufrieden und beginnt spontan Mani Matters Evergreens «Hemmige» und «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama» zu spielen. Virtuos kommt er von den Grundmelodien ab und improvisiert nach Lust und Laune – das Ganze in einem Tempo, das eher ein Pianist einschlägt. «Solch gängige Hits werden wir auch am Samstag spielen, ein paar schräge Töne selbstverständlich inbegriffen.» Guggenmusik schätzt der Kirchenmusiker hoch ein. Er attestiert ihr, Kulturgut zu sein. Den Guggen windet er ebenso ein Kränzchen: «Es gibt kaum eine besser funktionierende Gemeinschaft als eine Gugge.» Sieber und die Wäsmali-Chatze Lozärn gastieren am Fasnachtssamstag nach 2012 und 2014 zum dritten Mal in der reformierten Kirche Wädenswil. «Das erste Mal war es zu unserem 40-jährigen Vereinsjubiläum», sagt Paul Bossert, Ehrenmitglied des Veranstalters, der Neuen Fasnachtsgesellschaft. Zwei Jahre später hätten sie wegen des grossen Erfolges der Premiere den Anlass wiederholt. «Nun machen wir es auf vielseitigen Wunsch der Wädenswiler und Wädenswilerinnen zum dritten Mal.» Das Konzert bleibe einmalig, betont Bossert. Sieber und die Gugge treten in der Tat einzig noch am Luzerner Fastnachtssonntag während des Gottesdienstes in der Hofkirche auf, lassen es aber bei zwei, drei Stücken bewenden.
An die beiden Auftritte hat Sieber gute Erinnerungen: «Es war farbig, herzlich und heiter.» Er habe immer gedacht, die Zürcher seien nüchterne Leute. «Als sie nach unseren Gastspielen die Kirche verliessen, waren sie so ausgelassen, sie schienen keine Zürcher mehr zu sein.»

2019; Das Schnitzelbank kam direkt aus der Badi

Quelle: Gewerbezeitung, Dienstag, 12. März 2019, Text Cheesy Tessarolo

2018; 1. off. Strassensperrung + Sternmarsch

Quelle: Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen, Dienstag, 13. Februar 2018 Text Stadt Wädenswil

2017; Konfetti, Konfettis und der letzte Auftritt der Knackis

Quelle: Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen, Montag, 27. Februar 2017 Text Alexandra Baumann, Bilder Manuela Matt

2016; 25 Jahre Konfetti-Bar

Quelle: Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen, Donnerstag, 04. Februar 2016 Text Carole Bolliger, Bild Sabine Rock

2015; Kinovorstellung "40 Jahre Schnitzelbankfest"

Quelle: Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen, Donnerstag, 29. Januar 2015 Text Peter Ziegler, Bilder Archiv Hoffmann, Peter Ziegler

2014; 2. Orgelspiel mit Guggensound

2012; Orgelspiel mit Guggensound

2011; neue Umzugsroute

2010; Draussen frostig, drinnen lustig

Zürichsee-Zeitung Bezirk Horgen Montag, 15. Februar 2010 Text Flurina Decasper Bilder André Springer

Die Stadträte Christian J. Huber, Philipp Kutter, Stadtpräsident Ernst Stocker und Felicitas Taddei (von links) als «Stargäste» der Bierhimml Angels.

Trällernde Politiker, Tipps für die Nachbargemeinde und kakophone Klänge gabs amSchnitzelbankfest der Neuen Fasnachtsgesellschaft.
«Was fanged d’Richterswiler dänn mit irär Güllä aa? Si chönts dänn zum Bischpill d’Fontäne uuf laa» – die Wädi Wüelmüüs feuerten eine gehörige Breitseite in Richtung Nachbargemeinde und deren Nein zur Kläranlagen-Fusion mit Wädenswil ab. Doch auch in der nationalen und internationalen Politik wühlten die Schnitzelbänkler emsig herum. In Bezug auf das französische Präsidenten-Ehepaar bemerkten sie: «Wänn d’Franzosä wännd tuusche, mir würdet beedi nää, wänns defür dä Märzli nämed, und d’Calmy-Rää.» Nicht minder bissig waren an der Premiere des Schnitzelbankfests der Neuen Fasnachtsgesellschaft vom Freitagabend die Reime der Panzerknacker. Die geplante Wolke über dem Bahnhofplatz bekam genauso ihr Fett weg wie die U17-Fussball-Nati und die Verkehrsplanung bei der Wädenswiler International School. Alles in allem waren sich die Knackis jedoch einig: «In Wädi läbed nume glatti Lüt!»

«Wenn öpe eine spinnt»
Je tiefer die Temperaturen draussen sanken, desto höher stieg der Pegel des Fasnachtsfiebers in der vollbesetzten und traditionell in rot-gelb dekorierten Glärnischhalle. Beim Auftritt der Bierhimml Angels stand ein einzelner Engel auf der Bühne, der zwar nicht mit richtigem Gesang, aber mit vollem Körperund Stimmeneinsatz brillierte. Am Ende holte er sich Verstärkung aus dem Publikum auf die Bühne – um mit den Stadträten Christian J. Huber, Philipp Kutter, Felicitas Taddei und dem Noch-Stadtpräsidenten Ernst Stocker zu trällern und ein Bier zu trinken. Für geistreiche Einlagen zwischen den einzelnen Nummern sorgte das ulkige Paar Berta und Albert, das mit gewitzten Versen das Publikum erheiterte. «Mir Wädischwiiler lönd dich nöd alei», meinten sie zum angehenden Regierungsrat Ernst Stocker, liessen Muezzinrufe durch den Saal schallen oder riefen lauthals: «De Fasnachtslüüt macht d’Schweinegripp nüüt.»

«Schnitzelbank gits halt nur, wenn öpe eine spinnt», wussten dagegen die Halb-Edlä und zeigten auf Plakaten jeweils ein amüsantes, passendes Sujets zu ihren Reimen. Sie zogen ungeniert über die Schweizer Politik, die Basler, das Wädenswiler Feuerwehrhaus und besonders die lokalen Politiker her. (Bild: Mit der Nachbarsgemeinde gingen die Schnitzelbänkler hart ins Gericht.)

Die Luggebüesser verwandelten die Bühne in eine kultige Telefonzentrale, um Fettnäpfchen-Geschichten und Anekdoten des vergangenen Jahres in kurzen Sketches darzustellen. Roman Polanski wurde direkt aus der Telefonzelle in die Gefängniszelle gebracht, Bauarbeiter Giuseppe beschwerte sich bei seinem Chef über die vielen Einbahnstrassen und Bundesrätin Micheline Calmy-Rey erhielt telefonisch Tipps für die Libyen-Affäre. Auch musikalisch gabs einiges auf die Ohren: Die Tambouren bewiesen mit ihrer Einlage, dass sie eine Truppe mit beeindruckender Konzentration und Präzision sind. Mindestens genauso hoch war der Lärmpegel, als die Guggenmusik Trubadix einmarschierte und die Bühne mit ihren Glücksbärchen-Kostümen in einen riesigen, flauschigen Regenbogen verwandelten. Genauso wie später die Wadin Schränzer legten sie einen dröhnenden Auftritt hin. (Bild: Mehr oder weniger nützliche Ratschläge erteilten die Luggebüesser von ihrer kultigen Telefonzentrale aus.)