D’Blüemlis: D’Fasnachtssfraue vom Schöneberg

Quelle: Wädenswiler Anzeiger 02-2018, Text + Bild Stefan Baumgartner

Oben: Nadja Dougan-Schuler, Renata Götschi, Nicole Vassella, Marta Dreier und Anita Barberio.

Als Fasnacht bezeichnet man traditionell die Zeit der Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und der überschäumenden Lebensfreude vom 11. November um 11.11 Uhr bis zum Aschermittwoch. So richtig beginnt das Fasnachten aber erst an Dreikönig, am 6. Januar. In unserer Gegend finden wohl die meisten Anlässe im Februar statt.

Angefressene Fasnächtler sind – so will es scheinen – schon mit einem Fasnachtsgen geboren. Die Mutter hat für die Kleinen schon Gwändli zum Verkleiden genäht, und später war man in verschiedenen Gruppen und Guggen engagiert, wie Nadja Dougan-Schuler zu berichten weiss. Man freut sich das ganze Jahr auf die «fünfe Jahreszeit», und kaum ist sie vorbei, beginnen schon die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Man sucht Ideen und entwirft neue Kostüme, verteilt die Aufgaben und dann beginnt das Nähen, Kleben und Basteln im Geheimen. Bei der nächsten Fasnacht will man mit dem neuen Motto überraschen, vielleicht auch ein wenig an der Nase herumführen. Umso grösser das Hallo und Gelächter, wenn man dann erkannt wird. Fasnächtler sind Partyvögel. Das muss auch sein, wer tagelang auf der Gasse ist.

Die Schönenberger Fasnachtsgruppe «d’Blüemlis» ist eine Gruppe leidenschaflicher Fasnächtlerinnen, die mir überzeugten Nichtfasnächtlerin nun den Spass an der Sache erklären:

Ihr geht jedes Jahr als Gruppe an die Fasnacht? Bitte erklärt mir als Nicht-Fasnächtlerin: Warum?

Nadja: Ich bin schon als Kind im Schönenberg am Fasnachtsumzug mitgelaufen. In meiner Jugend, als ich meine Ausbildung in Menzingen absolvierte, besuchte ich den hiesigen Fasnachtsball. Als ich in der Ostschweiz lebte bin ich sogar zwei Jahre lang in einer kleinen Guggenmusig mit der Lyra mitgezogen. Während zweier Jahre habe ich in einer andern Gruppe in Luzern mitgewirkt. Seit fast 10 Jahren bin ich jetzt in Wädi unterwegs.

Renata: Ich bin mit der Fasnacht in Schönenberg aufgewachsen. Meine Mutter nähte immer selber die Gwändli für uns Kinder, und wir durfen auch stolz viele Male den 1. Preis nach Hause tragen. Damals gab es noch die Maskenprämierung. Auch später im Teenageralter und mit dem Musikverein verpasste ich keine Fasnacht in Schönenberg. Auch meine Jungs waren immer an der Fasnacht in Schönenberg, bis sie leider nicht mehr stattfand.

Anita: Es ist lustig als Gruppe unterwegs zu sein.

Nicole: Es hat sich eingebürgert und ist ein fixer Punkt im Jahresprogramm.

Marta: Es macht einfach Spass als Gruppe an die Fasnacht zu gehen. Wir haben alle das gleiche Kostüm. Das wirkt schon ziemlich lässig. Die Stimmung ist immer lustig, wenn man als Gruppe geht.

Habt ihr als Gruppe einen Namen?

Nicole: D’Blüemlis Einmal im Frühling habe ich zum Apéro eingeladen, als gerade alle Blumen blühten und meine Freundinnen mit «Liebe Blüemli-Frauen» angesprochen. So sind wir zu diesem Namen gekommen.

Wie und wann ist die Idee zu der Gruppe entstanden?

Nadja: Es hat sich über die Jahre einfach so ergeben. Wir waren auch schon mal eine grössere Gruppe: Neun! Aber nun hat sich unsere Fünfergruppe schon ein paar Jahre als Blüemli-Gruppe etabliert.

Anita: Ich bin anfangs einmal zusammen mit einer anderen Freundin mitgegangen und fand es lässig. Dann kam ich mit Nadja ins Gespräch, und so fing es an. Zuerst waren wir nur zu dritt, Nadja, Renata und ich. Das war vor zirka zehn Jahren.

Nicole: Ich habe eine lange Fasnachtsgeschichte, ähnlich wie Nadja, und bin dann vor etwas acht Jahren zu dieser Gruppe gestossen.

Marta: Alles hat vor einigen Jahren mit Renata, Nadja und Anita angefangen. Irgendwann bin ich dazugekommen, und so ist die Truppe von Fasnacht zu Fasnacht etwas gewachsen. Heute sind wir fünf, waren aber auch schon mehr.

Wie viele Fasnachtsbälle habt ihr schon besucht?

Nadja: Wir gehen nicht so oft an Bälle. Wir waren schon in Siebnen, Bäch, Menzingen, Samstagern und Hirzel. Unsere Leidenschaft ist jedoch die Strassenfasnacht in Wädi. Zweimal sind wir sogar am Umzug mitgelaufen.

Geht ihr immer in der gleichen Kostümierung oder habt ihr jedes Jahr ein anderes Motto?

Nadja: Wir haben jeweils zwei Jahre dasselbe Kostüm getragen, weil der Aufwand doch immer recht gross ist und es auch recht ins Geld geht. Für dieses Jahr haben wir etwas Neues, Einfaches geplant. Nächstes Jahr wollen wir wieder mit einer «grösseren Produktion» auffahren. Das Motto ist: bequem, bunt, effektvoll. Wir wollen uns gut bewegen können. Es gibt nichts Unpraktischeres als ein Kostüm, in dem man in einer Menschenmenge nicht mehr durchkommt. Ausserdem muss es auch wetter- und temperaturkompatibel sein ... und wir haben immer ein Liechtli an uns, damit wir im Dunkeln leuchten.

Nicole: Ja, je nach Aufwand der selbstgemachten Kostüme tragen wir sie ein bis zwei Jahre. Wir waren schon Hawaianerinnen, Polizistinnen, Piratenfrauen, Indianerinnen, Eisköniginnen, Hippies, Blüemlis und Schöni-Vögel.

Näht ihr Eure Kostüme selber?

Marta: Ja, wenn es etwas zu nähen gibt.

Nadja: Nähen ist übertrieben. Ich würde eher sagen, wir basteln, kleben, häkeln, knüpfen ... Es geht recht viel Heissleim drauf. Wir haben auch schon alte Lederstiefel silbrig gespritzt. Wir haben recht hohe Ansprüche ans Detail. Es muss alles zusammenpassen. Wir tragen keine Masken. Man erkennt uns also auf den zweiten Blick ...

Erinnert ihr Euch an eine besondere Fasnacht?

Nadja: Jede ist besonders! Wir haben immer tolle Begegnungen, auch mit andern Gruppen, die in Wädi unterwegs sind. Jedes Jahr herrscht ein freudiges Wiedersehen. Es gibt immer viel zu lachen. Und wir geniessen uns als Gruppe, haben gute Gespräche und Zeit füreinander. Wir schauen auch darauf, dass alle wieder wohlbehalten nach Hause kommen.

Anita: Es ist immer lustig.

Nicole: Jede Fasnacht birgt ihre legendären Geschichten.

Marta: Die Wädi-Fasnacht ist immer besonders lustig.

Internas werden wohl keine ausgeplaudert! Was sagen Familie und Freunde? Dürften sie auch mit Euch mitziehen oder seid ihr eine geschlossene Gruppe?

Nadja: Mein Mann sagt «Nein danke». Meine Kinder gehen manchmal an den Umzug. Leider ist er dieses Jahr in den Ferien. Grundsätzlich darf jeder mitziehen. Aber es ist schon einfacher, wenn die Gruppe nicht zu gross ist. So findet man in den dekorierten Beizen auch eher ein Plätzchen.

Nicole: Grundsätzlich sind wir eine konstante Gruppe, aber durchwegs offen für neue Mitglieder.

Anita: Es kann offen bleiben.

Marta: Wir sind sicher keine geschlossene Gruppe. Alles völlig entspannt. (Anmerkung der Redaktion: Bei einem solchen Spassfaktor sollte ich das mit der Fasnacht vielleicht nochmals überdenken.)

Was du unbedingt noch sagen möchtest ...

Nicole: Es ist ein Glück, wenn man zusammen so bedingungslos umherziehen kann und so viel Spass hat. Obwohl wir alle sehr verschieden sind, besteht ein grosses Grundvertrauen und viel Toleranz ganz nach dem Motto: Leben und leben lassen. Wir haben Freude daran, gemeinsam etwas zu erleben.

Marta: Ich freue mich schon auf die diesjährige Wädi-Fasnacht!